Von den Finanzvorständen wird erwartet, dass sie schon laufen, bevor ihre Unternehmensführung überhaupt gehen kann

Ein CFO, den wir im vergangenen Jahr vermittelt haben, beschrieb die aktuelle Situation im Bereich KI als ‘das Flugzeug während des Fluges zu bauen und gleichzeitig aufgefordert zu werden, mitten in der Luft den Treibstoffverbrauch zu berechnen’. Die Avalara-Umfrage untermauert dieses Gefühl mit Zahlen: Finanzverantwortliche stehen unter Druck, konkrete Erträge durch agentische KI nachzuweisen, noch bevor grundlegende Fragen zur Governance geklärt sind. Wer gibt die Freigabe, wenn ein autonomer Agent eine steuerliche Entscheidung umsetzt? Wer trägt die Verantwortung, wenn die KI fälschlicherweise eine Ausnahme meldet? Für DACH-Unternehmen mit hohen Compliance-Anforderungen sind dies keine theoretischen Bedenken.

Der Druck kommt von den Vorständen, die beobachten, wie Wettbewerber KI-Initiativen ankündigen, und sichtbare Fortschritte erwarten. Was den Vorständen jedoch nur langsam bewusst wird, ist, dass der Nachweis des ROI bei agentischer KI Messrahmen erfordert, die die meisten Finanzabteilungen noch nicht aufgebaut haben. Der CFO steht im Spannungsfeld zwischen der Forderung ‘Zeig mir die Zahlen’ von oben und dem Einwand ‘Wir haben keine Kontrollmechanismen’ seitens der Teams, die die Technologie tatsächlich einsetzen würden.

Wir beobachten bereits, wie diese Spannung die Prioritäten bei der Personalbeschaffung beeinflusst. Kunden ergänzen ihre S/4HANA-Finanz-Stellenausschreibungen, die sich zuvor ausschließlich auf technische Migrationskompetenzen konzentrierten, nun um Erfahrungen in den Bereichen Governance und Risikomanagement. Ein Kunde in Frankfurt hat sein KI-Pilotprojekt eigens unterbrochen, um zunächst jemanden einzustellen, der die Rechenschaftsebene konzipieren kann. Es dauerte vier Monate, bis wir diese Stelle besetzen konnten, da Kandidaten mit fundierten SAP-Finanzkenntnissen und Erfahrung im Bereich KI-Governance auf eine Handvoll großer Beratungsunternehmen konzentriert sind und die meisten von ihnen nicht vorhaben, den Arbeitgeber zu wechseln.

Für Finanzfachleute, die die Entwicklung am Markt beobachten, stellt sich die praktische Frage, ob sie sich bereits jetzt Governance-Know-how aneignen oder abwarten sollten, bis die Rahmenbedingungen ausgereift sind. Die von uns vermittelten Finanzvorstände sind zunehmend diejenigen, die neben einem Plan für den Einsatz von KI auch eine Governance-Roadmap formulieren können. Technische Kompetenz allein reicht für leitende Finanzpositionen in SAP-gesteuerten Unternehmen nicht mehr aus.

Angeregt durch Berichte von ERP heute.

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