Ein CFO, der mit der Umsetzung eines dreijährigen Private-Equity-Exits beauftragt wird, folgt einem bestimmten Drehbuch: schnelle Wertschöpfung, aggressive Zeitpläne, ständiger Druck des Vorstands hinsichtlich der Kennzahlen. Ein CFO, der in ein Unternehmen eingestellt wird, das mit Kapital aus einem Family Office finanziert wird, sieht sich ganz anderen Erwartungen gegenüber. Das Kapital ist oft geduldiger, der Anlagehorizont ist länger, und die Beziehung zu den Investoren ist in der Regel weniger transaktionsorientiert. Catherine Fankhauser von EY weist darauf hin, dass Family Offices eine wachsende, aber unterschätzte Finanzierungsquelle darstellen, und dass diese Unterscheidung praktische Auswirkungen für alle hat, die auf Führungsebene im Finanzbereich beraten oder Personal einstellen.
Auf dem DACH-Markt begegnen wir dieser Dynamik bei der Suche nach Finanzberatern, wo die Eigentümerstruktur die gesamte Rolle prägt. Ein familiengeführtes Unternehmen sucht möglicherweise einen CFO, der in Jahrzehnten statt in Quartalen denkt, der mit einer weniger formalisierten Führungsstruktur zurechtkommt und der Vertrauen zu den Eigentümern aufbauen kann, die persönlich in das Unternehmen investiert sind – anders als Fondsmanager. Fundierte finanztechnische Kompetenzen verschaffen Kandidaten zunächst Zugang zum Auswahlverfahren. Der entscheidende Unterschied liegt oft in der zwischenmenschlichen Ebene: Kann diese Person innerhalb einer familiären Dynamik arbeiten, generationsübergreifende Erwartungen steuern und die Wertschöpfung in einer Sprache vermitteln, die Menschen anspricht, deren Vermögen auf dem Spiel steht?
Für Bewerber sollte die Frage nach der Eigentümerstruktur bereits in einer früheren Phase der Due Diligence gestellt werden. Private-Equity-Unternehmen, Family Offices, gründergeführte Unternehmen, institutionelle Investoren: Jedes dieser Modelle hat seinen eigenen Rhythmus und eine andere Definition von Erfolg. Wir raten erfahrenen Finanzfachleuten, die Kapitalstruktur als Filter in ihrem eigenen Suchprozess zu betrachten. Die Stellenbezeichnung mag bei zwei Stellenangeboten identisch sein, doch die tatsächlichen Aufgaben unterscheiden sich stark je nachdem, wem das Unternehmen gehört.
Unternehmen, die mit geduldigem Kapital finanziert werden, stehen vor einer besonderen Herausforderung bei der Personalbeschaffung: Sie müssen klar vermitteln, was sie zu bieten haben. Schnelligkeit und Gewinnpotenzial ziehen Bewerber an, die eine Karriere im Private-Equity-Bereich anstreben. Stabilität und langfristige Unternehmensführung sprechen hingegen ein anderes Profil an. Die Erkenntnis, für welches Profil Sie rekrutieren, bestimmt den gesamten Suchprozess.
Angeregt durch Berichte von CFO-Tauchen.